ESTA über uns - Die Stiftung

Die Ev. Stiftung Arnsburg (ESTA) ist eine Stiftung des Privatrechts. Wir sind Mitglied des Diakonischen Werkes.
Die ESTA blickt auf eine lange Geschichte seit ihrem Gründungsjahr 1846 zurück, ist mit ihrem Leitbild – angelehnt an das Gebot der Nächstenliebe – dennoch sehr modern.

Aufgaben und Zweck
Die Evangelische Stiftung Arnsburg widmet sich

  • der Erziehung
  • der Betreuung
  • der Förderung
  • der Ausbildung

von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen jeglicher Herkunft und Religionszugehörigkeit, die in ihrer Entwicklung Unterstützung bedürfen sowie der Stärkung des familiären Umfeldes.

Wir bilden aus und qualifizieren Fachkräften für die Jugendarbeit.

Hierzu bietet die Stiftung vielfältige Dienstleistungen an.

Die Organe
Ehrenamtlicher Stiftungsrat:
Dr. Christiane Prinzessin zu Solms-Hohensolms-Lich (Vorsitzende)

Dr. Klaus Ringel (stv. Vorsitzender)

Hakan Avci

Silvia Christen

Holger Claes

Pfarrer Klaus Eibach

Pfarrerin Barbara Lang

Celina Gräfin zu Solms-Laubach

Uwe Schmidt

Dietmar Müller

Philipp Müller-Hillebrand

Geschäftsführender Vorstand:
Fabian Scharping

Leitbild - Gestärkt in die Zukunft*

Wir sind mit Herz und Verstand bereit, wenn Kinder, Jugendliche und Familien Unterstützung benötigen.

Uns treibt der Gedanke an, dass unser Handeln ein wichtiger Beitrag für Gerechtigkeit in der Welt ist, der Benachteiligungen abbaut und Teilhabe garantiert. Unser Handeln ist darauf ausgerichtet, dass die Würde unserer Partner gewahrt bleibt.

Mit unseren Aktivitäten setzen wir das Recht von jungen Menschen auf Förderung ihrer Entwicklung und auf Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit um.Wir bieten Hilfen zur Erziehung, in dem wir:

  • Kindern und Jugendlichen Schutz vor Gefahren bieten
  • Kindern und Jugendlichen eine Versorgung mit Wohnraum, Ernährung, sozialen Kontakten, physischer und psychischer Gesundheit sicher stellen
  • Kindern, Jugendlichen und Familien durch Beratung, Beziehung, Betreuung und Bildung Perspektiven geben

Empowerment, d.h. die Förderung von Eigenverantwortung und die Stärkung der Eigenmacht, ist für uns der Schlüssel, Kinder, Jugendliche und Familien für gesellschaftliche Herausforderungen, lokaler und globaler Art, zu wappnen. Wir vertrauen der Gestaltungskompetenz und den Ressourcen von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen.

Wir arbeiten partnerschaftlich und prozessorientiert an Lösungen. Wir agieren respektvoll, kommunikativ, empathisch, kreativ, verantwortungsvoll, individuell und immer mit Blick auf die Zukunft.

 

* Das Leitbild wurde gemeinsam mit pädagogischen Fachkräften und der Leitung der ESTA entwickelt – es spiegelt unsere Tradition im Sinne Pestalozzis, unsere konsequente Haltung für das Wohlergehen der Kinder und Jugendlichen, unsere rechtlichen Verpflichtungen sowie unsere globale Verantwortung wider.

Die Geschichte der Ev. Stiftung Arnsburg*

1846 jährte sich der hundertste Geburtstag Johann Heinrich Pestalozzis. Die Frage, wie dieses Jubiläum zu würdigen sei, beantwortete der Friedberger Blinden- und Taubstummenlehrer Johann Peter Schäfer (08.05.1813 – 26.12.1902) auf seine ganz eigene und dem Geist Pestalozzis verpflichtete Art und Weise: ein „lebendiges“ Denkmal sollte es für den großen Pädagogen sein –  ein guter Ort für Kinder, die nicht in ihren Familien leben konnten.

Graf Otto zu Solms-Laubach stellte das Gartenhaus des ehemaligen Klosters Arnsburg mit dem zugehörigen Gartenland zur Verfügung, so dass am 27.08.1846 dort ein „Rettungshaus für sittlich verwahrloste Kinder“ gegründet werden konnte. Im Oktober 1847 wurden die ersten fünf Kinder in der „Kinderrettungsanstalt zu Kloster Arnsburg” aufgenommen. Zwei Jahre später wurden bereits zwanzig Jungen und Mädchen betreut. 1864 musste ein Schlafsaal sowie ein Schulraum an das Gartenhaus angebaut werden. Nach dem Tod des Hausvaters Küsthardt schloss das Haus 1874 aufgrund von Nachfolgeproblemen. Die Kinder wurden in Familien untergebracht, die Seitens der Stiftung im Rahmen eines Erziehungsvereins betreut wurden.

Drei Jahren später wurde das Heim 1877 als Mädchenerziehungsheim wiedereröffnet. Das Elisabethenstift Darmstadt schickte hierzu drei Diakonissen nach Lich.

Weltkriege und 100-jähriges Bestehen

Während des ersten Weltkrieges konnte die Arbeit im Heim weitgehend ungestört weiterlaufen. Die große Wirtschaftskrise in den 1920er Jahren sowie die Inflation trafen dann aber auch das Heim, dessen Fortbestand 1923 nur durch die Zentralhilfe für deutsche Kinderheime und eine erhöhte Spendenbereitschaft einiger Privatpersonen gesichert werden konnte.

Im zweiten Weltkrieg wurde nach den schweren Luftangriffen auf Gießen im Winter 1944 die Frauenklinik von dort ins Kloster Arnsburg verlegt. Das Kinderhiem musste hierzu den Bursenbau räumen. Weitere Pläne der Machthaber sahen die Auflösung des Heimes vor. Diese Pläne wurden durch die Befreiung der Amerikaner und dem Ende des Krieges vereitelt.

Am 27.05.1947 wurde das 100-jährige Bestehen des Kinderheimes mit einem Festakt gefeiert – ein großer Moment nach schweren Zeiten.

Der Umzug nach Lich

Kloster Arnsburg – ein idyllischer Ort. Aber die Kinder und Jugendlichen waren vom Leben in einer größeren sozialen Gemeinschaft abgeschottet. Praktische und pädagogische Gründe sprachen immer mehr dafür, einen angemesseneren Ort für zu schaffen.
Auch durch den großen persönlichen Einsatz der damaligen Heimleiterin, Diakonisse Schwester Eva Becker, wurden nach zweijähriger Bauzeit 1961 neue Gebäude am heutigen Standort in Lich bezogen, die nach dem Vorbild des Münchener Waisenhauses von Andreas Mehringer errichtet worden waren. Vorgesehen war eine familienähnliche Erziehung in sechs abgeschlossenen Wohneinheiten für jeweils zwölf Kinder. Für damalige Verhältnisse in Heimen, die noch geprägt waren von Schlafsälen und in denen der Begriff „Privatsphäre“ eine untergeordnete Rolle spielte, schon nahezu revolutionär. Neben den Versorgungs- und Verwaltungsgebäuden wurde auch eine „Sonderschule für lernbehinderte und entwicklungsgestörte Kinder” auf dem Gelände erbaut und 1968/69 eine eigene Turnhalle errichtet.

1971 endete schließlich das Engagement der Diakonissen des Elisabethenstifts Darmstadt.

Weiterentwicklung und 175 Jahre ESTA

In den 1990er Jahre brachen für die Stiftung wirtschaftlich herausfordernde Zeiten an. Neue Konzeptionen, die auch umfangreiche bauliche Veränderungen mit sich brachten, sicherten nicht nur das Überleben der Einrichtung, sondern läuteten eine kontinuierliche qualitative und quantitative Weiterentwicklung ein.
Alle Wohngruppen wurden umgebaut, eine Tagesgruppe mit einem ungewöhnlichen und neuen Konzept eröffnet, die Turnhalle zu einer modernen Multifunktionshalle umfunktioniert. Ein viel beachtetes Schutz-und Partizipationskonzept wurde nicht nur entwickelt, sondern wird auch gelebt. Einzigartig war die Gründung des Wissens- und Kompetenzcenters 2007. Das große Spiel- und Freizeitgelände der Stiftung wurde sukzessive unter maßgeblicher Beteiligung der Kinder- und Jugendvertretung umgestaltet (die dafür 2018 den 1. Hessischen Partizipationspreis erhielt).
Inzwischen begleiten und fördern wir ca. 120 Kinder, Jugendliche und Familien.

Die ESTA, die 2021 mit einem großen Festakt und einem unvergesslichen Sommerfest dankbar auf die 175 Jahre ihres Bestehens zurückblicken konnte, ist eine moderne und vielfach wegweisenden Jugendhilfeeinrichtung  – sicher ganz im Sinne ihres Gründervaters!

* Die Geschichte der Ev. Stiftung Arnsburg ist ausführlich in der Festschrift zum 175-jährigen Bestehen nachzulesen:

175 Jahre – Gestärkt in die Zukunft – Eine Geschichte der Heimerziehung“; Hrsg. Evangelische Stiftung Arnsburg; Justus von Liebig Verlang, Darmstadt; ISBN: 978-3-87390-462-0